"Man muß
seine Sinne schärfen, um besser wahrnehmen zu können!"
Mit Hilfe von SCHULBUCH
SPORT kann man sich vertieft mit folgenden
Fragestellungen auseinandersetzen:
Welche
Bedeutung haben die Sinne für erfolgreiches
Sporttreiben?
Wie gut sind
jeweils die eigenen Sinne schon ausgebildet?
Wie arbeiten
die Sinne?
Wie bildet man
seine Sinne aus?
Zum Beispiel können im
Zusammenhang mit dem Phänomen des Gleichgewichts sich
dann folgende Fragen ergeben und zu einer vertieften
Auseinandersetzung führen:
-
Was
können Schüler in der Auseinandersetzung mit dem
Phänomen des Gleichgewichts über sich lernen?
-
Welche
Erkenntnisse können sie auf andere (sportliche)
Situationen übertragen?
-
Wie
sichert man Erkenntnisse, wie überträgt man
Erkenntnisse?
Biologische Grundlagen
- Wie ist
das entsprechende Sinnesorgan aufgebaut?
- Wovon
hängt die Funktionstüchtigkeit dieses Organs ab?
Lerntheoretische Grundlagen
- Gibt es
spezielle Regeln für das Bewältigen von
Gleichgewichtsanforderungen?
- Wie
schafft man entsprechende innere und äußere Bedingungen?
Psychologische Grundlagen
- Welche
Bedeutung haben Emotionen in diesem Zusammenhang?
- Welche
Rolle spielt Angst dabei? Gibt es
Angstvermeidungsstrategien?
- Welche
Rolle spielen Stress, Ärger, Überforderungsempfindungen,
innere Angespannheitheit bzw. innere Gelöstheit, Freude,
Neugier, Abenteuerlust, Unterforderungsempfinden usw.?
Bedeutung für die Alltagsmotorik
- Welche
Bedeutung hat das Gleichgewicht für den Alltag eines
Menschen?
- Gibt es
außer Unfallvermeidung, Haltungsaufbau, motorische
Sicherheit noch andere Bedeutungszusammenhänge?
Bedeutung für sportliche Situationen
- In
welchen sportlichen Situationen spielt das Gleichgewicht
eine Rolle?
- Gibt es
Grundregeln für den Zusammenhang zwischen Gleichgewicht
und gelungener sportlicher Bewegung?
Erweiterte Erkenntnisse bei der Auseinandersetzung mit
dem Gleichgewicht
- Welche
Bedeutung hat Gleichgewicht für mein Selbstbewusstsein?
- Gibt es
einen Zusammenhang zwischen motorischem und emotionalem
(äußerem und innerem Gleichgewicht)?
- Wie kann
ich meine Gleichgewichtsfähigkeit gezielt verbessern?
- Welche
Regeln muss man beim Üben beachten?
- Wo finde
ich Situationen, in denen Gleichgewicht gefordert wird?
- Wie nutze
ich mein Wissen über Gleichgewicht in neuen
Bewegungssituationen?
- Gibt es
Regeln, um Transferlernen zu ermöglichen?
- Wie lerne
ich eigentlich? Welcher Lerntyp bin ich? Wie lernen
andere?
- Welche
Bedeutung hat die Motivation und der eigene Wille beim
Lernen?
- Welche
Einflüsse haben Emotionen (z.B. Angst) auf das Lernen?
- Wie
wirken sich äußere Einflüsse auf das Lernen aus?
- Bin ich
eher handlungs- oder eher lageorientiert?
Daraus kann sich folgendes
Unterrichtsvorhaben zum Gleichgewicht ergeben:
1. UE:
Wo muss man sich im Sport
mit dem Gleichgewicht auseinandersetzen?
- Ein
Bewegungsparcours stellt uns vor vielfältige
Gleichgewichts-Aufgaben.
2. UE:
Wie findet man sein Gleichgewicht?
- Wir
setzen uns mit Prinzipien des Gleichgewichts
auseinander.
3. UE:
Wie verbessert man sein Gleichgewicht?
- Wir
lernen an einem Beispiel, das Gleichgewicht zu
finden und zu halten.
4. UE:
Wie findet man Aufgaben, um das eigene
Gleichgewichtsempfinden zu verbessern und zu
üben?
- Wir
suchen individuell passende
Aufgabenstellungen.
5. UE:
Welcher Zusammenhang
besteht zwischen physischem und
psychischen Gleichgewicht?
- Wir
suchen nach dem Zusammenhang und
entdecken Beziehungen zwischen 2 Welten.
6. UE:
Wo findet man
herausfordernde alltägliche
und sportliche Situationen zum Gleichgewicht?
- Wir
suchen Spannung und Abenteuer und gehen
kalkulierbare Risiken ein. Wir entwickeln mehr
Aufmerksamkeit für das Problem des Gleichgewichts
beim Bewegen.
Einige Textstellen aus dem
Buch "Bewegungsbildung, Menschenbildung" von Dore
Jacobs, die zum Nachdenken und zur Diskussion anregen
(Kastellaun 1978)
"Sind aber
Leib und Seele, Mensch und Körper in unserem Alltag
praktisch nicht zu trennen, so dürfen wir auch in der
Bewegungsbildung nicht mit dem Körper umgehen, als
wäre er ein bloßes mehr oder minder gut
funktionierendes Werkzeug. Wir müssen uns an den
Menschen wenden. Und dazu genügt es nicht, ihm
körperliche Übungen in einer Form anzubieten, die ihm
Lust machen. Auch mit Lust gemachte Übungen bleiben
bloße Übungen. Sondern wir müssen zu erreichen
versuchen, daß er in seinem körperlichen Tun mit
seinem ganzen Wesen, "mit Leib und Seele" beteiligt
ist" (Seite 8)
"Bildung
ist ein anspruchsvolles Wort. Schulung ist nicht
Bildung. Geschult ist, wer etwas gelernt hat -
gebildet, wer damit zugleich etwas geworden ist. In
diesem Sinne wird hier von Bewegungsbildung
gesprochen.
In jedem
Fachgebiet steht man vor der Wahl, nur zu lehren - was
nie zu echter Bildung und oft zur Dressur führt - oder
durch lehren zu bilden. Der Stoff kann in beiden
Fällen weithin der gleiche sein, die Beziehung zum
Stoff aber ist eine grundverschiedene. Im einen Falle
bleibt das Gelernte auf das Fach beschränkt, im
anderen wirkt es sich , über das fachliche Können
hinaus, auf den Menschen aus.
Es geht
also in der Bewegungsbildung um Veränderung des
Menschen, nicht nur des Körpers und seiner
Funktionen." (Seite 8/9)
"Überdies
kann ein zweckbestimmtes Körpertraining die
leibseelischen Dissonanzen, unter denen wir alle
leiden, eher vergrößern als ausgleichen. "Übungen",
die ein Lehrer vormacht, und die der Schüler "lernt",
bringen keinen unmittelbaren Kontakt mit dem Leibe.
Ein Körper, den man benutzt wie ein Ding, wird
allenfalls ein gehorsamer Sklave des Ich, aber nie ein
williger und feinfühliger Begleiter der Lebensmelodie"
(Seite 16)
"Der
Körper selbst also kann uns sagen - und präziser als
jeder Lehrer - wie wir in Ruhe und Bewegung mit ihm
umzugehen haben . Seinen Weisungen zu folgen ist
freilich nicht so einfach, wie dem Lehrer zu
gehorchen. Es ist der Weg der eigenen Erfahrung. Denn
kein Lehrer kann so tief in unsere innerleiblichen
Vorgänge hineinsehen, daß er in jedem Falle
zuverlässig sagen könnte, wo und wodurch wir sie
stören." (Seite 16)
"Über den
Wert eines bewegungsbildenden Unterricht entscheidet
das tägliche Leben, nicht die Gymnastikstunde. Nur im
Alltag zeigt sich, was an Bewegungskönnen einem
Menschen wirklich zu eigen geworden ist, was ihm in
Fleisch und Blut übergegangen ist. Wer sich in der
Stunde schön und fließend, rhtythmisch, schwungvoll
bewegt, im Alltag aber gehetzt, ruckhaft, verkrampft,
matt, lustlos, für den ist das Gelernte nur eine
Technik, ein Fachkönnen geworden. Er hat sich auf ein
neues Gebiet spezialisiert; als Mensch ist er
geblieben, der er war." (Seite 18)
"Prüfstein
des Gelingens im tieferen Sinne ist also, ob sich in
der alltäglichen Lebenswirklichkeit eines Menschen
durch den Unterricht etwas ändert, ob, um beim
Körperlichen anzufangen, seine Haltung bei der Arbeit,
auf der Straße, beim Stehen in der vollen Straßenbahn
oder am Postschalter besser, aufrechter, gelöster wird
und er sich in dieser Haltung wohler fühlt als in der
früheren; ob ihm Anstrengungen Freude machen, die ihm
früher schwer fielen; ob er z.B. ins Atmen kommt,
statt außer Atem zu geraten, wenn er der Straßenbahn
nachläuft; ob er lernt, Kräfte zu sammeln, wenn er
ruht, und Kräfte zu haben, wenn er arbeitet." (Seite
19)