Kapitel 9

Wie man im Sport den eigenen Körper erleben und was man über sich selbst erfahren kann

Weitere Ergänzungen folgen demnächst.

 

"Man muß seine Sinne schärfen, um besser wahrnehmen zu können!"

Mit Hilfe von SCHULBUCH SPORT kann man sich vertieft mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen:

Welche Bedeutung haben die Sinne für erfolgreiches Sporttreiben?

Wie gut sind jeweils die eigenen Sinne schon ausgebildet?

Wie arbeiten die Sinne?

Wie bildet man seine Sinne aus?

 

Zum Beispiel können im Zusammenhang mit dem Phänomen des Gleichgewichts sich dann folgende Fragen ergeben und zu einer vertieften Auseinandersetzung führen:

  • Was können Schüler in der Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Gleichgewichts über sich lernen?
  • Welche Erkenntnisse können sie auf andere (sportliche) Situationen übertragen?
  • Wie sichert man Erkenntnisse, wie überträgt man Erkenntnisse?

Biologische Grundlagen

  • Wie ist das entsprechende Sinnesorgan aufgebaut?
  • Wovon hängt die Funktionstüchtigkeit dieses Organs ab?

Lerntheoretische Grundlagen

  • Gibt es spezielle Regeln für das Bewältigen von Gleichgewichtsanforderungen?
  • Wie schafft man entsprechende innere und äußere Bedingungen?

Psychologische Grundlagen

  • Welche Bedeutung haben Emotionen in diesem Zusammenhang?
  • Welche Rolle spielt Angst dabei? Gibt es Angstvermeidungsstrategien?
  • Welche Rolle spielen Stress, Ärger, Überforderungsempfindungen, innere Angespannheitheit bzw. innere Gelöstheit, Freude, Neugier, Abenteuerlust, Unterforderungsempfinden usw.?

Bedeutung für die Alltagsmotorik

  • Welche Bedeutung hat das Gleichgewicht für den Alltag eines Menschen?
  • Gibt es außer Unfallvermeidung, Haltungsaufbau, motorische Sicherheit noch andere Bedeutungszusammenhänge?

Bedeutung für sportliche Situationen

  • In welchen sportlichen Situationen spielt das Gleichgewicht eine Rolle?
  • Gibt es Grundregeln für den Zusammenhang zwischen Gleichgewicht und gelungener sportlicher Bewegung?

Erweiterte Erkenntnisse bei der Auseinandersetzung mit dem Gleichgewicht

  • Welche Bedeutung hat Gleichgewicht für mein Selbstbewusstsein?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen motorischem und emotionalem (äußerem und innerem Gleichgewicht)?
  • Wie kann ich meine Gleichgewichtsfähigkeit gezielt verbessern?
  • Welche Regeln muss man beim Üben beachten?
  • Wo finde ich Situationen, in denen Gleichgewicht gefordert wird?
  • Wie nutze ich mein Wissen über Gleichgewicht in neuen Bewegungssituationen?
  • Gibt es Regeln, um Transferlernen zu ermöglichen?
  • Wie lerne ich eigentlich? Welcher Lerntyp bin ich? Wie lernen andere?
  • Welche Bedeutung hat die Motivation und der eigene Wille beim Lernen?
  • Welche Einflüsse haben Emotionen (z.B. Angst) auf das Lernen?
  • Wie wirken sich äußere Einflüsse auf das Lernen aus?
  • Bin ich eher handlungs- oder eher lageorientiert?

 

Daraus kann sich folgendes Unterrichtsvorhaben zum Gleichgewicht ergeben:

1. UE: Wo muss man sich im Sport mit dem Gleichgewicht auseinandersetzen?

  • Ein Bewegungsparcours stellt uns vor vielfältige Gleichgewichts-Aufgaben.

2. UE: Wie findet man sein Gleichgewicht?

  • Wir setzen uns mit Prinzipien des Gleichgewichts auseinander.

3. UE: Wie verbessert man sein Gleichgewicht?

  • Wir lernen an einem Beispiel, das Gleichgewicht zu finden und zu halten.

4. UE: Wie findet man Aufgaben, um das eigene Gleichgewichtsempfinden zu verbessern und zu üben?

  • Wir suchen individuell passende Aufgabenstellungen.

5. UE: Welcher Zusammenhang besteht zwischen physischem und psychischen Gleichgewicht?

  • Wir suchen nach dem Zusammenhang und entdecken Beziehungen zwischen 2 Welten.

6. UE: Wo findet man herausfordernde alltägliche und sportliche Situationen zum Gleichgewicht?

  • Wir suchen Spannung und Abenteuer und gehen kalkulierbare Risiken ein. Wir entwickeln mehr Aufmerksamkeit für das Problem des Gleichgewichts beim Bewegen.

 

Einige Textstellen aus dem Buch "Bewegungsbildung, Menschenbildung" von Dore Jacobs, die zum Nachdenken und zur Diskussion anregen

(Kastellaun 1978)

"Sind aber Leib und Seele, Mensch und Körper in unserem Alltag praktisch nicht zu trennen, so dürfen wir auch in der Bewegungsbildung nicht mit dem Körper umgehen, als wäre er ein bloßes mehr oder minder gut funktionierendes Werkzeug. Wir müssen uns an den Menschen wenden. Und dazu genügt es nicht, ihm körperliche Übungen in einer Form anzubieten, die ihm Lust machen. Auch mit Lust gemachte Übungen bleiben bloße Übungen. Sondern wir müssen zu erreichen versuchen, daß er in seinem körperlichen Tun mit seinem ganzen Wesen, "mit Leib und Seele" beteiligt ist" (Seite 8)

"Bildung ist ein anspruchsvolles Wort. Schulung ist nicht Bildung. Geschult ist, wer etwas gelernt hat - gebildet, wer damit zugleich etwas geworden ist. In diesem Sinne wird hier von Bewegungsbildung gesprochen.

In jedem Fachgebiet steht man vor der Wahl, nur zu lehren - was nie zu echter Bildung und oft zur Dressur führt - oder durch lehren zu bilden. Der Stoff kann in beiden Fällen weithin der gleiche sein, die Beziehung zum Stoff aber ist eine grundverschiedene. Im einen Falle bleibt das Gelernte auf das Fach beschränkt, im anderen wirkt es sich , über das fachliche Können hinaus, auf den Menschen aus.

Es geht also in der Bewegungsbildung um Veränderung des Menschen, nicht nur des Körpers und seiner Funktionen." (Seite 8/9)

"Überdies kann ein zweckbestimmtes Körpertraining die leibseelischen Disso­nanzen, unter denen wir alle leiden, eher vergrößern als ausgleichen. "Übungen", die ein Lehrer vormacht, und die der Schüler "lernt", bringen keinen unmittelbaren Kontakt mit dem Leibe. Ein Körper, den man benutzt wie ein Ding, wird allenfalls ein gehorsamer Sklave des Ich, aber nie ein williger und feinfühliger Begleiter der Lebensmelodie" (Seite 16)

"Der Körper selbst also kann uns sagen - und präziser als jeder Lehrer - wie wir in Ruhe und Bewegung mit ihm umzugehen haben . Seinen Weisungen zu folgen ist freilich nicht so einfach, wie dem Lehrer zu gehorchen. Es ist der Weg der eigenen Erfahrung. Denn kein Lehrer kann so tief in unsere innerleiblichen Vorgänge hineinsehen, daß er in jedem Falle zuverlässig sagen könnte, wo und wodurch wir sie stören." (Seite 16)

"Über den Wert eines bewegungsbildenden Unterricht entscheidet das tägliche Leben, nicht die Gymnastikstunde. Nur im Alltag zeigt sich, was an Bewe­gungskönnen einem Menschen wirklich zu eigen geworden ist, was ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wer sich in der Stunde schön und fließend, rhtythmisch, schwungvoll bewegt, im Alltag aber gehetzt, ruckhaft, verkrampft, matt, lustlos, für den ist das Gelernte nur eine Technik, ein Fachkönnen geworden. Er hat sich auf ein neues Gebiet spezialisiert; als Mensch ist er geblieben, der er war." (Seite 18)    

"Prüfstein des Gelingens im tieferen Sinne ist also, ob sich in der alltäglichen Lebenswirklichkeit eines Menschen durch den Unterricht etwas ändert, ob, um beim Körperlichen anzufangen, seine Haltung bei der Arbeit, auf der Straße, beim Stehen in der vollen Straßenbahn oder am Postschalter besser, aufrechter, gelöster wird und er sich in dieser Haltung wohler fühlt als in der früheren; ob ihm Anstrengungen Freude machen, die ihm früher schwer fie­len; ob er z.B. ins Atmen kommt, statt außer Atem zu geraten, wenn er der Straßenbahn nachläuft; ob er lernt, Kräfte zu sammeln, wenn er ruht, und Kräfte zu haben, wenn er arbeitet." (Seite 19)

 

 

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